Montag, 17. Februar 2014

Eislauflager - wie sie wirklich sind

Unsere Eislauflager sind alles andere als harmlose Tage, in denen wir ausgelassen trainieren und die festgelegte Hausordnung und Nachtruhe einhalten. Ich glaube in den dafür vorgesehen Trainingswochen, die im Herbst in Oberstdorf und im Frühling in Herisau stattfinden, üben wir weniger, als auf unserem Eis.
Ein Grund dafür könnte die schwindende Motivation sein, wenn wir in eine Trainingseinheit mit Carolina Kostner oder Thomas Werner eingeteilt werden und somit als Störfaktor und Nichtskönner angesehen werden. Auch könnte es daran liegen, dass wir die Regeln unserer Trainerin und des Sportinternats nicht ganz so ernst nehmen und zur Not spät abends den Balkon zum Zimmer hochklettern. 
Morgens um acht Uhr auf dem Eis zu stehen (aufgewärmt und in Topform natürlich) ist da doch etwas viel verlangt.

Auch untereinander herrscht unterschiedliche Atmosphäre, da der Altersunterschied zwischen uns Läuferinnen ziemlich groß ist. So bilden sich zwei Gruppen und damit auch Konfliktpotential, dass allen voran ich gerne ausschöpfe. Wenn Unterwäsche von den jüngeren Mädels an der Wandbeleuchtung im Hotelflur hängen, kann man davon ausgehen, dass es sich um meine Idee handelt. Des öfteren kam es vor, dass wir den Schlüssel zum abgeschlossenen Zimmer der jüngeren Mädchen versteckten, während diese auf dem Eis waren. Als diese dann mit einem Eislauf-Mami unser Training in der Halle unterbrachen, um die Trainerin darüber zu informieren, dass ihre Tochter unseretwegen vor verschlossener Türe stand, musste ich mir umgehend die Schlittschuhe ausziehen, um den Schlüssel in unserem Zimmer zu holen. 
Mit der Zeit wurden wir jedoch älter und das Ärgern der jüngeren Mädchen war nicht mehr die im Vordergrund stehende Tätigkeit. 




Ist ja nicht so, dass wir ordentlich wären...

Da das Internat in Oberstdorf und und unsere Trainerin im Hotel in Herisau eine Nachtruhe vorschreibt - die zwar alters entsprechend variiert, aber trotzdem nicht unseren Vorstellungen entspricht - mussten Ideen her, diese zu umgehen. Eine Möglichkeit ist es, sich beim Gute-Nacht-sagen unserer Trainerin (was echt süss ist, da sie uns alle dabei in den Arm nimmt) ins Bett zu legen und sich anschließend wieder raus zu schleichen. Auch als tauglich erwies sich nach einem Testdurchlauf die Methode Kleidung unter die Decke zu stopfen und so drei schlafende Gestalten vorzugaukeln, die keine Nachtumarmung mehr brauchen. 
Ein nächtlicher Ausflug in Oberstdorf...

...und der Morgen danach.




Der Nachteil in Herisau jedoch ist, dass das Polizeipräsidium nur zwei Strassen von unserer Unterkunft entfernt liegt. Bei nächtlichem Gesang und den Äpfeln, die wir aus dem Fenster auf die Strasse geworfen haben, bereitete uns dies in einer Woche (vor zwei Jahren, glaube ich) ziemliche Probleme. Als zwei Beamten im Wagen vor dem Hotel hielten und Anstalten machten, hoch zu kommen, versteckten wir uns allesamt im obersten Stock des Hotels, bis sie ihr mahnendes Gespräch mit unserer Trainerin beendet hatten. Aufgehört Dinge aus dem Fenster zu werfen haben wir aber nicht. Zu witzig war der Anblick, wenn Fizzers auf den Autos zersprangen und Farbflecken bildeten. 

Um nun doch noch einmal zum Zweck dieser Woche zu kommen: Trainiert wird drei mal Täglich d.h. morgens, mittags und abends. Zwischen den Einheiten haben wir freie Zeit zur Verfügung, die wir - wie ja bereits erläutert - sinnvoll und ausgesprochen vernünftig nutzen. 

Meine Sportart

Eiskunstlauf

Die künstlerisch-technische Sportart, welche durch ästhetische Bewegungen charakterisiert wird, zeigt zu meist schöner Musik schnell gedrehte Pirouetten und kraft-aufwändige Sprünge. 
In diesem Sport sind die Leistungsanforderungen sehr hoch und daher sollten die meisten Elemente schon vor dem elften Lebensjahr erlernt sein. 
Das Training setzt sich aus verschiedenen Einheiten zusammen. Beispielsweise Ballett und Choreographie sind wesentlich für eine gute Grundlage im Eiskunstlauf. Durch diese nötigen Komponenten lässt sich eine stilvolle und ausdrucksstarke Kür zusammenbauen. 
Pro Woche trainieren die Läuferinnen des EC Wohlen einmal mit unserem Choreographen und mindestens zwei mal bei unserer Trainerin Renate Leuthold. Freitag abends stehen alle Läuferinnen und Läufer gemeinsam für das Gruppentraining auf dem Eis, beidem Schaulaufen und Angelegenheiten bezüglich unserer Wettkämpfe und Tests besprochen werden. 

Am 23. Februar dieses Jahres habe ich wieder einen Wettkampf in Aarau, was meine Nerven ziemlich strapaziert, da ich letztes Jahr mehr oder weniger ausgesetzt und nicht trainiert habe. Aus diesem Grund habe ich mich über empfehlenswerte Ernährung erkundigt und im Internet einige Tipps gefunden, die mir diesbezüglich weiterhelfen könnten. 

Ernährungstipps für EiskunstläuferInnen: Des Öfteren vergessen die Sportler, wie wichtig die regelmäßige Nahrungsaufnahme und die ausreichende Wasserzufuhr ist. Wer von der Schule oder vom Arbeitsplatz direkt zur Eishalle fährt, hat meist nur wenig Zeit für eine Zwischenmahlzeit. Da in unserem Club mehr der Freude wegen trainiert wird, bleibt der Leistungsdruck und strikte Ernährungspläne aus. Nach den absolvierten Lektionen gönnen wir uns gerne mal eine Portion Pommes oder einen Hotdog. Es darf auch mal ne Fanta oder Cola sein, um den Durst zu stillen. 

Unsere Trainerin lässt uns in der Kleiderwahl an Wettkämpfen, wie auch am Schaulaufen, welches immer der abschließende Anlass jeder Saison ist, freie Hand. Auch sonst ist sie nicht der Typ Tyrann-Trainer, der übers ganze Eis schreit oder bei unsauberen Elementen zur Furie wird. 
Wer mal einen schlechten Tag hat, erfährt viel Geduld und Verständnis, solange sich diese nicht ständig wiederholen. 
Wie in jedem Verein gibt es natürlich auch die nervigen Mütter (bei uns als Eislauf-Mamis) bekannt, welche alles für ihre teilweise talentfreien Kinder managen. Wenns ums Kleidernähen beim Schaulaufen geht, kommen sie sich mit ihren Meinungen des öfteren in die Quere und lassen bei Kritik von uns Selbstredenden nicht mit sich sprechen. Es sind die Eltern, die für ihre Sternchen von A nach B fahren, da sie nicht berufstätig sind und sich daher dem Job Eislauf-Mami leidenschaftlich hingeben können. 

Seit ich sieben Jahre alt bin laufe ich im EC Wohlen und auch wenn es Personen gibt, mit denen man wahrscheinlich nie auf einen grünen Zweig gelangen wird, sind wir eine riesige Familie, die am Saisonende beim Fest im Haus unserer Trainerin zusammensitzt und feiert. 
Auch wenn ich mir darüber im Klaren bin, nie zu den erfolgreichen Eiskunstläuferinnen zu gehören, werde ich den Sport nicht so schnell aufgeben. 

Schaulaufen 2012
Kürwettkampf Wettingen 2011

Sonntag, 16. Februar 2014

Schlampe oder einfach normales Mädel?

- "Die hat schon mindestens 4 Jungs geküsst!"
- "Boah das ist ja ne Schlampe, die macht ja mit allen rum?!"
- "Ja, hab ich auch gedacht. Darum habe ich sie auch nicht gefragt, ob sie mit mir gehen will..."

Eine typische Konversation zwischen Bezirksschülern im ersten Jahr, die bei Schulschluss mit dem Bus der Linie 320 nach Hause fahren. Ich wurde hellhörig, als einer behauptete 1200 Followers bei Instagram zu haben. Ihr Hauptthema jedoch war ein Mädchen ihres Alters, das sie als Schlampe bezeichneten, da dieses im Facebook viele und offenherzige Bilder veröffentlicht hat.

Was früher ein Synonym für das Wort Prostituierte war, wird heute zur alltäglichen Beschreibung junger Mädchen gebraucht. Um als Schlampe, Nutte oder neuerdings auch Bitch angesehen zu werden, braucht man nichts weiter zu tun, als die femininen Reize spielen zu lassen, was aber ja als sexy und anziehend gilt. Eine Schlampe kann eine junge Frau sein, die Miniröcke trägt, hohe Schuhe nicht nur in die Disco anzieht oder die mit 16 Jahren schon mehr als drei Jungs geküsst hat. 
Derartiges Verhalten reicht anscheinend völlig aus, um ein hilfloses junges Ding in ihrer Selbstfindung und Pubertät mit einer Prostituierten zu vergleichen. Man macht es sich heute einfach, einen Menschen in einer Schublade unterzubringen, obwohl dieser dort nicht hingehört. Wenn zwölfjährige Burschen von Schlampen reden, meinen sie ja nur, dass dieses Mädel etwas zu freizügig herumläuft oder Bilder in offenen Netzwerken teilt, die falsch aufgefasst werden könnten.
Trotzdem greift man schnell zu einem Wort, über dessen Bedeutung man sich nicht einmal im Klaren ist.

- "Hast du gehört, dass Luca* gesagt hat, dass Stefanie* eine Schlampe ist?"

Es dauert nicht lange, bis solche Behauptungen die Runde machen und das besagte Mädel zu Unrecht in ein schlechtes Licht rücken. Diese hat nämlich mit einem Solchen Ruf längere Zeit zu kämpfen, obwohl er nicht gerechtfertigt ist.

Das Wort Schlampe wird meiner Meinung nach heutzutage viel zu häufig in den Mund genommen, wenn es um Mädchen oder Frauen geht, die einfach ihren Stil verfolgen oder ihn noch suchen. Wer Rollkragenpullover anzieht, ist spiessig, wer Tank-top mit Rock kombiniert demnach eine Bitch. In der heutigen Gesellschaft muss man anscheinend der Norm entsprechen, damit man weder omahaft - noch nuttig gekleidet ist. Vielleicht sollten wir doch eine Einheitsmode einführen...

*Namen wurden frei erfunden